Lernkultur im Unternehmen: So baust du sie nachhaltig auf

Stefan Schulze

Disruptive Trends, künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel – wie kann man beim rasanten Wandel in der Arbeitswelt überhaupt noch wettbewerbsfähig und attraktiv für Arbeitnehmer:innen bleiben? Unter anderem mit einer positiven Lernkultur. In diesem Beitrag lernst du, warum eine Lernkultur so wertvoll für eine Organisation ist und mit welchen sieben Schritten du sie etablierst. Außerdem: Wie du den Erfolg einer Lernkultur misst und warum sich eine Lernplattform dabei auszahlt.

Was versteht man unter einer Lernkultur?

Lernkultur beschreibt die Einstellungen, Werte und Praktiken einer Organisation in Bezug auf das Lernen. Eine positive Lernkultur unterstützt Offenheit für neue Ideen, Fehler als Chancen zu verstehen und eine kontinuierliche Verbesserung der Kompetenzen.

Idealerweise wird eine Lernkultur im gesamten Unternehmen gelebt, die Verantwortlichkeit für ein umfangreiches und attraktives Weiterbildungsangebot liegt in der Regel aber bei den HR- bzw. L&D-Manager:innen, die für die Personalentwicklung im Unternehmen zuständig sind. Sie schaffen die Rahmenbedingungen und formen die Lernlandschaft, in der sich alle Mitarbeitenden entwickeln können.

Muss erst eine neue Lernkultur geschaffen werden, ist vor allem die Integration in bestehende Prozesse und der Aufbau des richtigen Mindsets im Unternehmen herausfordernd. Existiert bereits eine Lernkultur, benötigen die Pflege und die Aktualisierung des Angebots viele Ressourcen.

Aber: Der Aufwand lohnt sich!

Warum ist eine Lernkultur so wichtig für Unternehmen?

Digitalisierung, disruptive Technologien, neue Megatrends – wir leben in einer schnelllebigen Welt, die in immer kürzeren Abständen neue Innovationen hervorbringt. Unternehmen und ihre Mitarbeitenden sollten bzw. müssen darauf reagieren können, um zukunftsfähig zu bleiben:

Trotzdem sagen 43 % der befragten Personalentwickler:innen einer L&D-Umfrage, dass ihre Mitarbeitenden keinen Bezug zum Lernen haben oder dass es für sie keine Priorität hat, dazuzulernen.

Auch fehlende Ressourcen und mangelndes Wissen sind ein Hemmschuh bei der Einführung einer Lernkultur. Laut der Masterplan Studie zum „Upskilling 2024“ ist die größte Herausforderung bei der Weiterbildung Zeitmangel bei den Mitarbeitenden (55 %), knapp gefolgt von fehlendem/zu wenig Verständnis über zukunftsrelevante Fähigkeiten (49 %).

Masterplan Studie 2024

Für Unternehmen, die diese Probleme nicht überwinden können, wird es langfristig schwierig werden, Schritt zu halten. Denn neben Produktivitätsgewinnen und höherer Innovationsfähigkeit sind dies drei weitere Vorteile einer positiven Lernkultur:

  1. Die Weiterbildung zukunftsrelevanter Kompetenzen im Unternehmen steigert die Wettbewerbsfähigkeit.
  2. Ein umfangreiches Schulungsangebot stärkt die Mitarbeiterbindung und zieht neue Talente an.
  3. Mitarbeitende in einer Lernkultur sind anpassungsfähiger, offener, neugieriger und dadurch bei unbekannten Herausforderungen handlungsfähiger.

7 Tipps zur Etablierung einer neuen Lernkultur

Der Aufbau und die Integration einer neuen Lernkultur ziehen sich über mehrere Ebenen im Unternehmen – von der Organisation, über das Führungslevel, bis zu den Mitarbeitenden.

Diese Maßnahmen helfen dabei, eine nachhaltige Lernkultur zu etablieren:

1. Baue ein Mindset für lebenslanges Lernen auf

Nur mit dem Wissen aus Ausbildung oder Studium können zukünftige Herausforderungen nicht immer erfolgreich gemeistert werden. Die Lösung: lebenslanges Lernen.

Die Mitarbeitenden müssen verinnerlichen, wie wichtig Lernen ist – nicht nur für den Unternehmenserfolg, sondern auch für sie persönlich. Mache ihnen also klar, dass ihre Lernzeit genauso angesehen ist wie die täglichen Aufgaben und Meetings. Ihnen Zeit für ihre Weiterbildung einzuräumen und ein umfangreiches Bildungsangebot mit hochwertigen Inhalten anzubieten, fördert die Entwicklung des nötigen Mindsets.

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2. Mache Wissen für alle Teams und Mitarbeitenden zugänglich

Welchen Stellenwert die Lernkultur im Unternehmen hat, zeigt sich auch in der Zugänglichkeit für alle Angestellten. Nur wenn alle Teams und Teammitglieder die Möglichkeit zum Lernen haben, kann man genau genommen von einer lernenden Organisation sprechen.

Sorge also dafür, dass jede:r Zugriff auf die Lerninhalte hat – vom C-Level bis zu den Blue-Collar-Mitarbeitenden in der Produktion. Stelle sicher, dass Lernen an allen Arbeitsplätzen, im Büro und im Remote Work und zu jeder Zeit möglich ist.

3. Unterstütze mit individuellen Entwicklungsmöglichkeiten

Eine ganzheitliche Lernkultur im Unternehmen steht immer vor der Herausforderung, unterschiedliche Kompetenzniveaus, Anforderungsprofile und Lernbedürfnisse abzudecken. Doch egal, wie komplex und vielschichtig deine Organisationsstruktur aussieht – alle Mitarbeitenden sollten die Weiterbildung erhalten, die sie persönlich voranbringt.

Hilf ihnen bei der Orientierung, erstelle (gemeinsam mit den Team Leads) Lernpläne oder zeige ihnen individuell Entwicklungschancen auf. Je nach Unternehmensgröße ist das ressourcenintensiv. Deshalb lohnen sich oft digitale Lernplattformen, die allen Lernenden auf sie zugeschnittene Kursempfehlungen vorschlagen.

Power Skills für eine erfolgreiche Zukunft

4. Entwickle Führungskräfte zu Mentor:innen

Die Vorbildfunktion – besonders in Sachen Lernen – ist eine der wichtigsten Führungskompetenzen überhaupt. Die besten Markenbotschafter einer Lernkultur sind nämlich die eigenen Führungskräfte. Leben sie die Lernkultur vor, ziehen die Mitarbeitenden eher mit.

Gute Leader fördern die Potenziale ihrer Teammitglieder aktiv und individuell. Sie steuern die Lernaktivitäten, indem sie zu Fortbildungen animieren, Zeit für die Weiterentwicklung zur Verfügung stellen und den Wissensaustausch innerhalb des Teams fördern. Die (Lern-)Ziele und (Lern-)Fortschritte besprechen sie regelmäßig in persönlichen Gesprächen mit den einzelnen Angestellten.

5. Integriere formale und informelle Lernmethoden

Schulungen, Seminare, Online-Trainings – alles essenzielle Bausteine einer funktionierenden Lernkultur. Einen Großteil seiner Kompetenzen erwirbt und entwickelt man allerdings durch Herausforderungen im Berufsalltag. Um das zu fördern, sollte Lernen nahtlos in die täglichen Arbeitsroutinen integriert sein.

Dabei helfen Kurse im Microlearning-Format, die Wissen in kleinen Häppchen vermitteln und zwischen zwei Meetings absolviert werden können. Als Blended Learning kann Wissen auch stückweise in digitalen Video-Trainings gelernt und in Live- oder Präsenzschulungen vertieft werden. Der richtige Mix aus diesen Lernmethoden, aus formalen und informellen Formaten, verankert die Lernkultur langfristig im Unternehmen.

6. Schaffe Incentives und motiviere zu selbstgesteuertem Lernen

Die stärkste Motivation ist die intrinsische Motivation. Wenn ein Thema wirklich interessiert oder wenn nicht nur das Wissen, sondern auch das Lernen selbst einen Mehrwert liefert, dann ist Weiterbildung am effektivsten. Baue also eine Lernkultur auf, die zu eigenverantwortlichem und selbstgesteuertem Lernen motiviert.

Mit einer Lernplattform wie der Learning Engagement Plattform von Masterplan erreichst du genau das: Videokurse in Kinoqualität decken ein riesiges Spektrum an relevanten Themen für alle Teams und Rollen ab. Innerhalb der Lektionen sorgen Gamification-Elemente und Quizze für Interaktivität und mit jedem abgeschlossenen Kurs sammeln die Lernenden Punkte.

Grafik: So steigerst du deine Lernmotivation

7. Erlaube Fehler und gib Raum zum Experimenten

Neues ausprobieren, Fehler in Kauf nehmen, daraus wertvolle Schlüsse und Learnings ziehen ist eine effektive Maßnahme für langfristige Verbesserung. Eine gelebte Fehlerkultur und ein Growth Mindset – sich also von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen, sondern daran zu wachsen – unterstützen jede Lernkultur.

Ermutige die Mitarbeitenden dazu, neue Tools zu testen, Prozesse umzukrempeln und Risiken einzugehen.Um das zu schaffen, können auch hier Führungskräfte als Vorbilder vorangehen. Positives Beispiel: Oliver Kahn, der in seiner Karriere viel aus seinen Fehlern gelernt hat.

Webinar: Eine Lernkultur, in der man wirklich lernt

Beispiele aus der Praxis: Lernkultur bei Google und Co.

Wie sieht eine zukunftsfähige Lernkultur in der Praxis aus? Wie setzen andere Unternehmen Weiterbildungsmaßnahmen um? Und wie haben sie ihre Lernkultur aufgebaut?

Schauen wir uns drei Beispiele an:

Google: Kultur des Experimentierens

Durch eine hohe Fehlerakzeptanz und die kontinuierliche Weiterentwicklung formte Google eine ertragreiche Lernkultur. Weiterbildung wird durch eine Kultur des Experimentierens und der Offenheit für Misserfolge umgesetzt.

Beispielsweise gibt Google den Mitarbeitenden 20 % ihrer Arbeitszeit zum Ausprobieren von Themen und Tools, die nicht in ihr Jobprofil gehören. So entsteht ein Rahmen, in dem Innovationen gefördert werden, der Mitarbeitende einbezieht und lebenslanges Lernen unterstützt.

Mehr zur Lernkultur bei Google erfahren →

Otto Group: Unternehmensweites Lernangebot

Als E-Commerce-Riese beschäftigt die Otto Group mehrere tausend Angestellte. Mit einer digitalen Lernplattform steuert das Unternehmen sein Lernangebot und macht Weiterbildung für die gesamte heterogene Gruppe an Mitarbeitenden verfügbar.

Mit Fokus auf die digitale Transformation durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz stellt die Otto Group seinen Mitarbeitenden selbstproduzierte und hochwertige Videoschulungen zur Verfügung, die den konkreten Einsatz neuer Technologien im eigenen Unternehmen behandeln. Die unmittelbare Relevanz und die Zugänglichkeit der Inhalte tragen zur erfolgreichen Lernkultur bei.

Mehr zur Lernkultur bei der Otto Group erfahren →

Domino’s: Rollenbasiertes Upskilling

Egal, ob im Büro, im Home Office oder unterwegs – Domino’s unterstützt die individuelle Weiterentwicklung aller Mitarbeitenden. Dafür setzt das Unternehmen auf eine digitale Lernplattform, über die Soft-Skill-Schulungen einzelnen Mitarbeitenden oder ganzen Teams zugeteilt werden können.

Trotz hybrider Arbeitsstrukturen erstreckt sich die Lernkultur dabei über das gesamte Unternehmen. Selbst mobile Teams können über Smartphones und Tablets von überall aus und rund um die Uhr auf die Lernbibliothek zugreifen und mit kompakten Videokursen zwischen den Terminen Wissen erwerben oder auffrischen.

Mehr zur Lernkultur bei Domino’s erfahren →

Eine nachhaltige Lernkultur – wie misst man ihren Erfolg?

Speziell wenn es um die Budgetplanung für die interne Weiterbildung geht, kommen schnell die Fragen danach auf, welchen Mehrwert die eigene Lernkultur denn letztendlich mit sich bringt und in welchen Zahlen man die Erfolge sehen kann.

Hier sind drei Ansätze, um Lernkultur messbar zu machen:

Lernfortschritt, Lernzeit & abgeschlossene Kurse

Der Lernfortschritt, die Lernzeit und abgeschlossene Kurse liefern wichtige Informationen über die Lernaktivität der Mitarbeitenden. Aus diesen Metriken lässt sich ableiten, ob das Schulungsangebot genutzt wird und welche Kompetenzlücken noch geschlossen werden können.

Die allermeisten E-Learning-Tools stellen diese Lernstatistiken in einem Dashboard dar:

Dashboard mit Lernstatistiken

Return on Learning

Die Wachstumseffekte, ein Teilaspekt des Return on Learning (ROL), sind zwar nur bedingt in (monetären) Zahlen messbar.

Trotzdem lassen sich aus Umfragen zur Mitarbeiterzufriedenheit oder qualitativem Feedback zum Lernangebot nützliche Rückschlüsse ziehen.

Grafik: Effekte des Return on Learning

ROI on Learning

Die monetären Effekte des ROL umfassen messbare Größen wie Kosten- und Ressourceneinsparungen, Produktivitätsgewinne und verringerten Recruitingaufwand. Diese Faktoren lassen sich mit Zahlen belegen und berechnen.

Der sogenannte ROI on Learning ist somit eine wichtige Kennzahl, um die unmittelbaren Kosteneffekte der Lernkultur zu analysieren und zu optimieren.

Der Schlüssel zum Erfolg: eine digitale Lernkultur

Eine unternehmensweite und erfolgreiche Lernkultur setzt sich grundsätzlich aus drei Eigenschaften zusammen:

  1. Lernen ist Teil der gelebten Unternehmenskultur.
  2. Lernen ist für alle Teams, zeit- und ortsunabhängig möglich.
  3. Lernen ist interaktiv gestaltet und nahtlos in jeden Arbeitsalltag integrierbar.

Spezielle E-Learning-Plattformen für Unternehmen vereinen diese Anforderungen in einer Software.

Eine digitale Lernkultur zeichnet sich durch den Einsatz von Technologie zur Unterstützung und Verbesserung von Lernprozessen aus, wobei digitale Tools und Ressourcen genutzt werden, um das Lernen zugänglicher und interaktiver zu gestalten.

Die Vorteile einer digitalen Lernkultur umfassen die erhöhte Flexibilität und Zugänglichkeit des Lernens, die Anpassungsfähigkeit an individuelle Lernbedürfnisse sowie die Möglichkeit, schnell auf Veränderungen und neue Anforderungen in der Arbeitswelt zu reagieren.

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FAQ

Was versteht man unter einer Lernkultur?

Eine Lernkultur ist die Gesamtheit der Werte, Einstellungen und Praktiken einer Organisation, die das kontinuierliche Lernen und die Entwicklung ihrer Mitglieder fördert und unterstützt.

Wie können Unternehmen eine positive Lernkultur etablieren?

Ein Unternehmen kann eine positive Lernkultur etablieren, indem es kontinuierliches Lernen unterstützt, eine offene Feedbackkultur pflegt, Ressourcen für Weiterbildung bereitstellt und das Lernen in den täglichen Arbeitsablauf integriert.

Welche Rolle spielt die digitale Transformation bei der Entwicklung einer modernen Lernkultur?

Die digitale Transformation spielt eine zentrale Rolle in der Entwicklung moderner Lernkulturen, indem sie den Zugang zu Lernressourcen erleichtert, flexible Lernformate ermöglicht und die Effizienz des Lernprozesses durch Technologie steigert.

Wie können kleine und mittelständische Unternehmen eine effektive Lernkultur fördern?

Kleine und mittelständische Unternehmen können eine effektive Lernkultur fördern, indem sie maßgeschneiderte Lernmöglichkeiten bieten, Mitarbeitende bei der Weiterbildung unterstützen und eine Kultur der Neugier und des lebenslangen Lernens kultivieren.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Einführung einer neuen Lernkultur und wie kann man diese bewältigen?

Herausforderungen bei der Einführung einer neuen Lernkultur umfassen oft Widerstände gegen Veränderungen, begrenzte Ressourcen und das Fehlen einer unterstützenden Infrastruktur. Diese können durch klare Kommunikation, schrittweise Implementierung und Einbeziehung der Mitarbeitenden in den Veränderungsprozess bewältigt werden.

Worin unterscheiden sich Lernkulturen in verschiedenen Branchen und Unternehmensgrößen?

Lernkulturen unterscheiden sich in verschiedenen Branchen und Unternehmensgrößen hinsichtlich der spezifischen Anforderungen, Ressourcenverfügbarkeit und Prioritäten; größere Unternehmen tendieren zu formalisierten Lernstrukturen, während kleinere Unternehmen oft flexiblere, informellere Ansätze verfolgen.

Stefan Schulze

Stefan Schulze ist Content Marketing Manager bei Masterplan. Im Blog erklärt er wichtige Begriffe aus der L&D- und HR-Welt und schreibt über Methoden, Konzepte und Entwicklungen von Corporate Learning.
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